Persönlichkeit und Stress: Warum Menschen so unterschiedlich auf Belastungen reagieren

Was Sie unter Druck setzt, hängt von Ihren Lebensumständen ab und von Ihrer Persönlichkeit. Ein Überblick über Zusammenhänge, Blickwinkel und Wege, Stress so zu regulieren, dass es zu Ihnen passt.

Dr. phil. Brigitte Seiler · Veröffentlicht am 24. Oktober 2026
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Zwei Menschen arbeiten im selben Team, mit derselben Vorgesetzten und ähnlichen Aufgaben. Die eine kommt mit Neuem gut zurecht, ihr setzen aber Spannungen im Team zu. Die andere bleibt bei Konflikten gelassen und gerät unter Druck, sobald sich Abläufe ändern. Die Umstände sind gleich, belastend ist für beide etwas anderes.

Stress hat äußere und innere Anteile. Er entsteht dort, wo Lebensumstände und Persönlichkeit nicht ausreichend zueinander passen. Wer verstehen will, was ihn belastet, braucht deshalb beide Blickrichtungen: auf die Anforderungen von außen und auf die eigene Art, ihnen zu begegnen.

In diesem Beitrag lernen Sie, welche Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Stress die Psychologie beschreibt und warum es sich lohnt, die Persönlichkeit aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Ein Selbstcheck hilft Ihnen, Ihre eigenen Druckpunkte zu erkennen. Zum Schluss geht es darum, wie Sie Ihren Stress so regulieren, dass es zu Ihnen passt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Stress?

Im Alltag steht „Stress“ für vieles: volle Tage, Zeitdruck, Ärger, Erschöpfung. In der Psychologie ist der Begriff enger gefasst. Er beschreibt eine Beziehung zwischen einem Menschen und seiner Umwelt, genauer das, was entsteht, wenn äußere oder innere Anforderungen auf die eigenen Möglichkeiten treffen, ihnen zu begegnen.

Transaktionales Stressmodell nach Lazarus

Der Psychologe Richard Lazarus hat diesen Gedanken im transaktionalen Stressmodell ausgearbeitet. Es gehört bis heute zu den einflussreichsten Modellen der Stressforschung. Im Mittelpunkt steht die Bewertung: Ob eine Situation als belastend erlebt wird, hängt davon ab, wie ein Mensch sie einschätzt.

Lazarus beschreibt zwei Bewertungen, die meist rasch und fast gleichzeitig ablaufen. Die erste fragt: Was bedeutet diese Situation für mich? Sie kann als unbedeutend, als angenehm oder als belastend eingeschätzt werden, und eine belastende Situation wiederum als Herausforderung, als Bedrohung oder als Verlust. Die zweite fragt: Was habe ich, um damit umzugehen? Dazu gehören eigene Fähigkeiten und Erfahrungen ebenso wie Unterstützung durch andere, Zeit oder Geld. Stress entsteht, wenn die Anforderungen die verfügbaren Möglichkeiten zu übersteigen scheinen. Nach dem Versuch, die Situation zu bewältigen, wird neu bewertet, und diese Erfahrung fließt in die nächste Einschätzung ein.

Stress hat äußere und innere Anteile

Anforderungen kommen von außen, etwa aus Beruf, Familie oder Lebensumständen, und von innen, aus eigenen Ansprüchen, Zielen und Werten. Die inneren Anforderungen hängen ebenso mit der Persönlichkeit zusammen wie die Art, Situationen zu bewerten und ihnen zu begegnen. Wer Stress nur im Außen sucht, übersieht die eigenen Spielräume. Wer ihn nur bei sich sucht, macht sich für Umstände verantwortlich, die er nicht allein ändern kann.

Zwischen Überwindung und Überforderung

Eine Anforderung, die nicht ganz zu den eigenen Möglichkeiten passt, ist nicht automatisch schädlich. In der Entwicklungs- und Motivationspsychologie spricht man von optimaler Inkongruenz: Eine maßvolle Abweichung vom Vertrauten kann neugierig machen, anspornen und Entwicklung anstoßen. Wer eine solche Situation als Herausforderung bewertet, kann die Anspannung sogar als belebend empfinden.

Schwierig wird es, wenn die Differenz zu groß wird oder zu lange anhält. Dann kann die Herausforderung in eine Bedrohung kippen. Manche reagieren mit anhaltender Anspannung, die mehr Kraft kostet, als sich in Erholungsphasen wieder auffüllen lässt, andere mit Rückzug und Verunsicherung. Was einen Menschen weiterbringt, liegt im Bereich zwischen Überwindung und Überforderung. Wo dieser Bereich liegt, ist von Mensch zu Mensch verschieden, und damit sind wir bei der Persönlichkeit.

Warum reagieren Menschen so unterschiedlich auf Stress?

Persönlichkeit beschreibt, wie ein Mensch über Situationen und Zeit hinweg typischerweise wahrnimmt, fühlt, denkt und handelt. Diese Neigungen sind keine festen Programme, und die Umstände spielen immer mit. Unter Druck zeigen sie sich aber oft besonders deutlich.

Nach dem transaktionalen Modell gibt es mehrere Stellen, an denen die Persönlichkeit ins Stresserleben hineinwirken kann. Die Kolleginnen aus dem Einstieg zeigen das bereits: Die eine reagiert empfindlich auf Spannungen im Team, die andere auf Veränderungen. Was jemanden fordert, hängt also auch davon ab, was ihm wichtig ist.

Wo Persönlichkeit mitwirktWas sich unterscheiden kann
Was zur Anforderung wirdwelche Situationen jemanden überhaupt berühren, etwa Konflikte, Veränderungen, Zeitdruck oder Kritik
Innere Ansprüchewie hoch die eigenen Erwartungen etwa an Leistung, Zuverlässigkeit oder Rücksicht auf andere sind
Bewertungwie schnell jemand in einer Situation eher eine Bedrohung oder eher eine Herausforderung sieht
Bewältigungob jemand etwa eher das Gespräch sucht, sich zurückzieht oder sofort anpackt
Erholungwas Kraft zurückgibt, etwa Gesellschaft oder Alleinsein, Bewegung oder Ruhe

Was dem einen hilft, kann den anderen zusätzlich belasten. Ein Ratschlag wie „Sprechen Sie offen über Ihre Belastung“ entlastet manche Menschen, andere überfordert er. Deshalb lohnt es sich, die eigene Persönlichkeit genauer zu kennen.

Stress aus verschiedenen Blickwinkeln

Kein einzelnes Persönlichkeitsmodell erfasst alles, was beim Stresserleben eine Rolle spielt. Die Big Five geben einen Überblick über die gesamte Persönlichkeit. Die übrigen Modelle betrachten einzelne Ausschnitte genauer: was jemanden im Innersten bewegt, wie er Beziehungen gestaltet, wie fein er wahrnimmt, woher sein Antrieb kommt und welche Umgebung zu ihm passt. Zusammen ergeben sie ein genaueres Bild als jedes für sich.

Wie ist meine Persönlichkeit insgesamt angelegt?

Big Five nach DeYoung

Die Big Five sind das am besten erforschte Persönlichkeits­modell und bilden die Persönlichkeit als Ganzes ab. DeYoung unterteilt die fünf großen Dimensionen in feinere Aspekte. Für Stress sind mehrere davon bedeutsam: Emotionale Empfindsamkeit hängt damit zusammen, wie schnell und stark jemand auf Belastung reagiert, Gewissenhaftigkeit mit hohen Ansprüchen an sich selbst, Verträglichkeit mit dem Umgang mit Konflikten.
Wonach strebe ich im Innersten?
Kernmotivationen nach Riemann

Riemann beschrieb vier Grundformen der Angst. Aus der Annäherungs­perspektive betrachtet werden daraus vier Kern­motivationen: Nähe, Eigenständigkeit, Beständigkeit und Wechsel. Stress kann entstehen, wo eine dieser Motivationen dauerhaft zu kurz kommt. Wem Beständigkeit wichtig ist, dem können häufige Veränderungen besonders zusetzen.
Wie gestalte ich Beziehungen unter Druck?
Interpersonaler Circumplex

Das Modell ordnet zwischenmenschliches Verhalten auf einem Kreis, der von zwei Achsen aufgespannt wird: wie zugewandt und wie bestimmend jemand auftritt. Jedes Verhalten lädt das Gegenüber zu einer bestimmten Antwort ein. Wer stark auf Harmonie ausgerichtet ist, kann Spannungen im Team als besonders belastend erleben und gerät leichter in die Rolle, sie ausgleichen zu wollen.
Wie viel nehme ich auf, bevor es zu viel wird?
Sensibilität nach Satow

Menschen unterscheiden sich darin, wie fein sie Reize, Stimmungen und Details wahrnehmen und wie gründlich sie das Wahrgenommene verarbeiten. Hohe Sensibilität kann eine Stärke sein, etwa im Gespür für andere. Sie kann aber auch bedeuten, dass Lärm, Hektik oder viele Eindrücke schneller erschöpfen und mehr Erholung nötig ist.
Wie ist mein Antrieb beschaffen?
Differenzierte Leistungs­motivationen aus eigener Forschung

In meiner Forschung unterscheide ich, wie ausgeprägt das Verständnis eines Menschen von Wirksamkeit, Verantwortung und Initiative ist, bezogen auf sich selbst und auf seine Umgebung. Im Kern geht es um Einfluss: Wer traut sich selbst und anderen wie viel zu? Wer sieht wen für was verantwortlich? Wer setzt Dinge wie schnell um und wer braucht wie viel Struktur oder Anstöße von außen?

Unter Druck können sich diese Unterschiede zuspitzen, was dann zu Unzufriedenheit und Spannungen führen kann.
Passt meine Umgebung zu mir?
Berufsprofil nach Holland

Holland beschreibt Interessen­schwerpunkte, etwa praktisch, forschend, künstlerisch, sozial, unternehmerisch oder ordnend, und verbindet sie mit passenden Arbeitsumgebungen. Je besser Interessen und Umgebung zueinander passen, desto eher wird Arbeit als stimmig erlebt. Eine dauerhaft große Abweichung kann Kraft kosten, auch wenn die Aufgaben an sich zu bewältigen sind.

Mit welcher Leistungs­bereitschaft und aus welchem Antrieb jemand seine Interessen umsetzt, erfasst das Modell nicht. Hier ergänzen sich Holland und die Leistungs­motivation besonders deutlich.

Erst im Zusammenspiel entfalten diese unterschiedlichen Persönlichkeitskonzepte ihre Aussagekraft. Wer sie einander gegenüberstellt und aufeinander bezieht, erhält erheblich mehr als die Summe ihrer Teile. Holland zeigt, welche Umgebung zu den eigenen Interessen passt, die Leistungsmotivation, mit welchem Antrieb jemand sich darin bewegt. Die Kernmotivationen zeigen, was einem Menschen im Innersten wichtig ist, der Interpersonale Circumplex, wie er Beziehungen gestaltet. Jedes dieser Modelle vertieft Fragen, die das Übersichtsmodell der Big Five nur streift oder gar nicht erfasst.

In den Persönlichkeitsprofilen von permOt.8 werden diese Konzepte zu einem Gesamtbild verbunden.

Gibt es Stresstypen?

Typen fassen in der Psychologie mehrere Eigenschaften zusammen, die häufig gemeinsam auftreten. Das gilt auch für Stresstypen. Tests, in denen ein Mensch einem bestimmten Typ zugeordnet wird, sind beliebt. Sie bieten eine schnelle Orientierung und können ein guter Einstieg in die Selbstbeobachtung sein.

Die Persönlichkeitspsychologie sieht Typen allerdings mit Vorsicht. Sie erfassen und messen nicht, ob und wie stark die einzelnen Merkmale ausgeprägt sind, und diese sind fließend verteilt: So liegen zwischen introvertiert und extravertiert zahlreiche Abstufungen, und viele Menschen bewegen sich im mittleren Bereich. Ein Typ verrät also nicht, wie viel man von seinen einzelnen Merkmalen tatsächlich mitbringt. Zu bedenken ist auch, dass Menschen, die sich in einigen Beschreibungen wiedererkennen, sich leicht auch die übrigen zuschreiben, obwohl diese vielleicht gar nicht zutreffen. Ein Beispiel dafür zeigt mein Beitrag zur Introversion: Auch mit Introversion werden häufig weitere Eigenschaften verbunden, die jedoch nicht auf jeden introvertierten Menschen zutreffen.

Ein Stresstyp kann deshalb ein Anfang sein. Hilfreicher ist es, das eigene Muster kennenzulernen: welche Situationen Sie fordern, wie Sie sie bewerten und was Ihnen hilft, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Innere Antreiber

Neben den Anforderungen von außen gibt es innere: Sätze, die Menschen sich selbst sagen, oft ohne es zu bemerken. „Mach bloß keinen Fehler.“ „Lass die anderen nicht hängen.“ In der Transaktionsanalyse heißen solche verinnerlichten Botschaften innere Antreiber. Beschrieben hat sie der Psychologe Taibi Kahler. Nach diesem Ansatz gehen sie oft auf Erwartungen zurück, die ein Mensch früh in seinem Umfeld erlebt hat.

Antreiber haben eine wertvolle Seite. Sie machen Menschen sorgfältig, hilfsbereit, belastbar oder ausdauernd. Zur Belastung werden sie, wenn sie absolut gelten, also immer und um jeden Preis.

AntreiberWertvolle SeiteUnter Druck kann daraus werden
Sei perfekt!Sorgfalt, QualitätsbewusstseinAngst vor Fehlern, nicht fertig werden, schwer abgeben können
Mach es allen recht!Hilfsbereitschaft, Gespür für andereeigene Bedürfnisse zurückstellen, schwer Nein sagen
Sei stark!Belastbarkeit, Selbstständigkeitkeine Hilfe annehmen, Erschöpfung übergehen
Beeil dich!Tempo, EntschlusskraftHektik, Ungeduld, Fehler aus Eile
Streng dich an!Ausdauer, Einsatznicht aufhören können, Leichtes nicht gelten lassen

Oft wirken mehrere Antreiber zusammen, und welche stärker sind, hängt auch mit der Persönlichkeit zusammen. Wer sehr gewissenhaft ist, kennt eher das „Sei perfekt!“, wer stark auf Harmonie ausgerichtet ist, eher das „Mach es allen recht!“. Entlastend kann es sein, dem eigenen Antreiber einen erlaubenden Satz entgegenzusetzen, etwa „Gut genug ist gut genug“ oder „Ich darf auch an mich denken“.

Das Antreiberkonzept erfasst allerdings nur die Seite, die drängt. Ebenso bedeutsam können innere Überzeugungen sein, die bremsen, etwa „Das schaffe ich sowieso nicht“ oder „Ich sollte lieber nicht auffallen“. Die Lebensstilanalyse nach Adler betrachtet beides: was einen Menschen antreibt und was ihn hemmt.

Selbstcheck: Was setzt Sie unter Druck?

Die folgenden Fragen helfen Ihnen, Ihre eigenen Muster etwas genauer kennenzulernen. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Nehmen Sie sich Zeit, und schreiben Sie Ihre Gedanken auf. Vielleicht finden Sie Hinweise darauf, wo es für Sie eng wird.

Anforderungen

  • In welchen Situationen spüren Sie Anspannung besonders schnell?
  • Welche Anforderungen fallen Ihnen leicht, obwohl andere sie als belastend erleben?

Innere Ansprüche

  • Welche Sätze sagen Sie sich, wenn viel zu tun ist?
  • Wessen Erwartungen versuchen Sie zu erfüllen, und wie viele davon sind Ihre eigenen?

Bewertung

  • Erleben Sie neue Aufgaben eher als Chance oder eher als Gefahr?
  • Woran merken Sie, dass eine Herausforderung für Sie zur Überforderung wird?

Bewältigung

  • Was tun Sie als Erstes, wenn Ihnen etwas über den Kopf wächst?
  • Was hat Ihnen in einer schwierigen Phase schon einmal geholfen?

Erholung

  • Was gibt Ihnen Kraft zurück, und wann haben Sie das zuletzt getan?
  • Brauchen Sie zum Auftanken eher Menschen um sich oder eher Ruhe für sich?

Stress so regulieren, dass es zu Ihnen passt

In der Stressbewältigung werden drei Ansatzpunkte unterschieden, die einander ergänzen: die Anforderungen selbst, die eigene Bewertung und die Erholung. Welcher Ansatzpunkt für Sie am meisten verspricht und wie Sie ihn umsetzen, hängt auch von Ihrer Persönlichkeit ab. Eine Strategie, die zu Ihnen passt, behalten Sie eher bei als eine, die Sie sich abringen müssen.

Anforderungen anders begegnen

Nicht jede Anforderung liegt in Ihrer Hand. Wo Sie etwas gestalten können, gibt es keine Strategie, die für alle gleichermaßen hilfreich ist. Wer gern Verantwortung übernimmt, dem kann es guttun, Aufgaben abzugeben. Wer den Dingen gern ihren Lauf lässt, für den kann es ein Gewinn sein, häufiger selbst die Initiative zu ergreifen. Ebenso braucht die eine vielleicht mehr Mut zum Nein, der andere mehr Offenheit für Veränderungen. Hilfreich ist oft die Seite, die bisher weniger Raum hatte und das eigene Muster ergänzt.

Bewertungen überprüfen

Ob eine Situation als Herausforderung oder als Bedrohung erlebt wird, hängt von der eigenen Bewertung ab, und Bewertungen lassen sich prüfen. Auch hier ist die hilfreiche Richtung verschieden. Wer in einer Lage schnell das Schwierige sieht, dem kann die Frage weiterhelfen: Ist es wirklich so schlimm, wie es sich gerade anfühlt? Wer Belastungen eher gelassen nimmt, für den kann es sich lohnen, erste Warnzeichen ernster zu nehmen, bevor die Kraft knapp wird. Wer seine inneren Antreiber kennt, kann ihnen bewusst einen erlaubenden Satz entgegensetzen. Und Achtsamkeit kann helfen, Gedanken als Gedanken wahrzunehmen, ohne sich von ihnen mitreißen zu lassen.

Erholung bewusst gestalten

Erholung füllt auf, was Anspannung verbraucht. Was erholsam ist, unterscheidet sich jedoch stark. Manche Menschen tanken bei einem Abend mit Freunden auf, andere bei einem ruhigen Abend für sich. Wer sensibel auf Reize reagiert, braucht vielleicht mehr Pausen ohne Bildschirm und Geräusche. Auch hier kann eine Ergänzung bereichern: Wer sich am liebsten in Bewegung erholt, entdeckt vielleicht, wie gut Stille tun kann, und wer sich gern zurückzieht, wie sehr ein Gespräch entlastet. Wichtig ist, dass Erholung regelmäßig Platz bekommt, gerade in Zeiten, in denen viel zu tun ist.

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Häufige Fragen zu Persönlichkeit und Stress

Welche Persönlichkeitsmerkmale hängen mit Stress zusammen?

Besonders gut untersucht sind die Big Five. Emotionale Empfindsamkeit hängt damit zusammen, wie schnell und stark jemand auf bestimmte Dinge reagiert, Gewissenhaftigkeit mit hohen Ansprüchen an Ergebnisse, Verträglichkeit mit dem Umgang mit Konflikten. Daneben spielen verschiedene Arten von Antrieb und Motivation eine wichtige Rolle, ebenso Beziehungsmuster und Sensibilität. Entscheidend ist nicht ein einzelnes Merkmal, sondern das Zusammenspiel.

Menschen sind an unterschiedlichen Stellen belastbar. Wer bei Konflikten gelassen bleibt, kann bei Veränderungen unter Druck geraten, und umgekehrt. Belastbarkeit ist deshalb weniger eine feste Größe als eine Frage der Passung zwischen Persönlichkeit und Lebensumständen.

Persönlichkeit ist recht beständig, entwickelt sich aber im Laufe des Lebens weiter. Vor allem lässt sich lernen, mit den eigenen Neigungen bewusster umzugehen: Anforderungen anders zu begegnen, Bewertungen zu prüfen und Erholung passend zu gestalten. Oft hilft es, die Seite zu stärken, die bisher weniger Raum hatte.

Nein. Eine Anforderung, die die eigenen Möglichkeiten etwas übersteigt, kann anspornen und weiterbringen. Schwierig wird es, wenn die Differenz zu groß wird oder zu lange anhält und Erholung nicht mehr ausreicht.

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Nein. Im Seminar entsteht der Bezug zur Persönlichkeit über Selbsteinschätzung und Austausch. Das Persönlichkeitsprofil permOt.8 ist ein eigenständiges, freiwilliges Angebot für alle, die ihre Persönlichkeit genauer kennenlernen möchten.

Fazit

Persönlichkeit und Stress hängen eng zusammen. Stress entsteht im Zusammenspiel äußerer und innerer Anforderungen, und die Persönlichkeit wirkt mit: bei dem, was als Anforderung erlebt wird, wie es bewertet wird und wie jemand ihm begegnet. Eine gewisse Nichtpassung kann weiterbringen. Belastend wird sie, wenn die Differenz zu groß wird oder zu lange anhält.

Wer die eigenen Muster kennt, kann gezielter wählen, was hilft, und die Seite stärken, die bisher weniger Raum hatte. Dafür lohnt der Blick aus mehreren Richtungen: Jedes Persönlichkeitsmodell zeigt einen anderen Ausschnitt, zusammen ergeben sie ein genaueres Bild.

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Dr. Brigitte Seiler ist Beratungspsychologin und Supervisorin. Sie hat das Persönlichkeitsprofil permOt.8 entwickelt und leitet Onlineseminare zum Stressmanagement. Mehr über mich

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Literatur

Adler, A. (1927). Menschenkenntnis. Leipzig: Hirzel.

DeYoung, C. G., Quilty, L. C. & Peterson, J. B. (2007). Between facets and domains: 10 aspects of the Big Five. Journal of Personality and Social Psychology, 93(5), 880–896.

Holland, J. L. (1997). Making vocational choices: A theory of vocational personalities and work environments (3. Aufl.). Odessa, FL: Psychological Assessment Resources.

Hunt, J. McV. (1965). Intrinsic motivation and its role in psychological development. In D. Levine (Hrsg.), Nebraska Symposium on Motivation (Bd. 13, S. 189–282). Lincoln: University of Nebraska Press.

Kahler, T. (1975). Drivers: The key to the process of scripts. Transactional Analysis Journal, 5(3), 280–284.

Lazarus, R. S. & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal, and coping. New York: Springer.

Leary, T. (1957). Interpersonal diagnosis of personality. New York: Ronald Press.

Riemann, F. (1961). Grundformen der Angst. Eine tiefenpsychologische Studie. München: Reinhardt.

Satow, L. (2022). HSP-Test für Hochsensibilität: Testmanual und Normen (ISBN 978-3-949416-03-3).

Seiler, B. (2018). Wirkfaktoren menschlicher Veränderungsprozesse. Das ModiV in allgemeiner und kunstbezogener Beratung, Psychotherapie und Pädagogik. Wiesbaden: Springer.

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Publikationen

Denner, Liselotte / Ulrich Wehner / Brigitte Seiler / Annette Scheible (2020): Personbezogene pädagogische Professionalisierung – erste Befunde aus dem ppProfess-Projekt. In: Beck, Melanie / Lara Billion / Marei Fetzer / Melanie Huth / Victoria Möller / Anna-Marietha Vogler (Hrsg.): Multiperspektivische Analysen von Lehr-Lernprozessen Mathematikdidaktische, multimodale, digitale und konzeptionelle Ansätze. Münster u.a.: Waxmann-Verlag, S. 185-204 (Peer-review-Verfahren).

Seiler, B. (2019). Wirkfaktoren in Kunsttherapie und Kunstpädagogik: ein Vergleich. In: Kunst & Therapie. Zeitschrift für bildnerische Therapien. Jahresband (M. Wendlandt-Baumeister, K.-H. Mentzen, & P. Rech, Hrsg.). Köln: Claus Richter Verlag, S. 106-119.

Seiler, B. (2018). Wirkfaktoren menschlicher Veränderungsprozesse. Das ModiV in allgemeiner und kunstbezogener Beratung, Psychotherapie und Pädagogik. Wiesbaden: Springer.

Auszeichnungen

Trägerin des Wissenschaftspreis der Dr. Bertold Moos-Stiftung 2018